Chronik der Kanusportabteilung Tura Bremen

(von Rudolf Hager u. Gert Borrmann, 03.1998)


Am 16.Juni 1932, in einer Zeit wirtschaftlicher Depression und großer Arbeitslosigkeit, fand sich eine Gruppe von Wassersportlern zusammen, um gemeinsam einen Verein im Rahmen der Arbeitersportbewegung zu gründen, die "Freien Faltbootfahrer Bremen".
Gründungsmitglieder waren u.a. Arnold Krohn, Heinrich Brandt, Erich Rosenberg, Arthur Brandt, Hermann Deppe, Hermann Böcker. Die Aufnahme dieser Faltbootfahrer in den Arbeiter- Turn und Sportbund erfolgte am 01.08.1932.
Das erste Bootshaus wurde in Eigenhilfe 1933 an der Gröpelinger Wettern gebaut, es fasste 32 Boote.
Im Jahre 1933 schloß sich die Mehrheit der Mitglieder dem "Verein für Sport- und Körperpflege e.V." an. Arnold Krohn übernahm die Leitung der Abteilung. Eine Gleichschaltung im Sport erfolgte durch die nationalsozialistische Herrschaft. Der Verein "V.S.K". wurde verboten.

Es entstand der "Turn- und Rasensportverein Gröpelingen".

Zum Wanderfahrersport kam nun der Rennsport dazu, und im Eigenbau wurden von den Mitgliedern im Jahre 1937 die ersten Rennboote gebaut. Aus diesem Grunde wurde es notwendig, ein größeres Bootshaus zu bauen. Da das Maschinenfleet nicht befahren werden durfte, war die Anfahrt zur Weser und ins Teufelsmoor zu weit. Es wurde nach einem geeigneteren Platz für ein neues Bootshaus gesucht. Schließlich fand man ein Gelände hierfür dann an der Lesum, ca. 300m unterhalb der Burger Brücke. Über 200 cm Erde mussten bewegt, über 50 Pfähle gerammt und Betonpfeiler gegossen werden, um für diesen neuen Bau ein stabiles Fundament zu legen.
Nach dieser Vorarbeit konnte am letzten Maisonntag des Jahres 1937 das alte Bootshaus an der Wettern in seine Teile zerlegt und zur Lesum transportiert werden. Es dauerte aber noch bis Mitte Juni 1937, ehe dieses neue, größere Bootshaus fertig wurde und nunmehr 20 Boote zusätzlich aufnehmen konnte.

Ein Clubraum und Umkleidemöglichkeiten waren auch geschaffen worden, dazu ein schwimmender Anleger, der im Winter unter dem Bootshaus gelagert werden konnte. Die selbstgebauten Rennboote, die gemeinsamen Wanderfahrten und auch das in Eigenhilfe geschaffene Bootshaus schweisste die Mannschaft dieser jungen Wassersportabteilung zu einer festgefügten Gemeinschaft zusammen.Dieses sportliche Treiben und auch die Wanderfahrten wurden durch den Krieg unterbrochen.

Die Wassersportkameraden, die an der Front waren, bekommen regelmäßig einen Rundbrief, Der Wellenbrecher genannt, der sie über alles informierte, was in der Heimat im sportlichen Bereich geschehen war. Dieser Rundbrief, dessen Urheber Arnold Krohn war, stand unter dem Motto:
"Uns geht die Sonne nicht unter".

Das Kriegsende und der Hunger nach Brennholz waren leider auch das Ende unseres zweiten Bootshauses. Als der Fußboden von Unbefugten abmontiert und fast sämtliche dort gelagerten Boote gestohlen wurden, riss man die kümmerlichen Reste des Bootshauses ab. Da ohne Bootshaus die Wassersportabteilung auseinander zu fallen drohte, beschloss man, als die Zeiten etwas sicherer geworden waren, wieder ein Bootshaus zu errichten. Der alte Platz stand nicht mehr zur Verfügung. Die Turaner fanden einen neuen und weit besseren Platz in der Nähe des Lesumer Hafens.

1950 entstand, wieder in Eigenhilfe, dort das dritte Bootshaus.
Balken, Bretter und sonstiges brauchbares Material wurden herangeschafft, wobei Heinrich Brandt hier eine wichtige Rolle spielte.Bei dieser Gemeinschaftsarbeit und den nun wieder beginnenden Fahrten fanden die Turaner sich schnell wieder zusammen.

Nach dem Krieg wurde der Verein umbenannt und trägt seitdem den Namen "Turn- und Rasensportverein Bremen".

1953 wurde Walter Herforth dann zum neuen Leiter der Wassersportabteilung gewählt.

Die Mitgliederzahl wuchs weiter, der Kanusport fand bei der Jugend Interesse, so dass wieder ein Erweiterungsbau notwendig wurde.

1954 löste Heinz Gottschalk Walter Herforth in der Leitung der Wassersportabteilung ab.

1954 beschloss man, das Bootshaus noch größer zu bauen und dazu auf ein höheres Fundament zu setzen, damit das jährliche Hochwasser nicht ständig das Bootshaus bedrohte.

In den Wintern 1953/54 und 1954/55 waren die Wassersportler aber auch nicht untätig. Es wurden in zwei Bauabschnitten neue Faltboote im Eigenbau hergestellt. Hier war es wieder Heinrich Brandt, der preiswert das Material zur Verfügung stellen konnte und einen Platz für eine Faltbootwerft fand.
So entstanden viele Faltboote, womit die Turaner viele Flüsse und Wildwasser in Deutschland, Südfrankreich und anderen Ländern befahren haben.

Heinrich Brandts Wachsamkeit und der Unterstützung Heinz Gottschalks über Bürgermeister Hans Koschnik war es dann zu verdanken, dass wir das Nachbargrundstück mit dem darauf befindlichen Betonplattenbau bekamen, das wir zu einem zusätzlichen Bootshaus umbauten. Außer neuen Bootsplätzen bekamen wir Waschräume, Duschräume und Toiletten.

Weit über die Landesgrenzen bekannt wurde TURA durch den Tidentorlauf, den Rudi Hager erdacht hatte, der sich unermüdlich um das Training, besonders der Jugend, kümmerte.
Jahr für Jahr kommen Wassersportler aus dem Bundesgebiet auf unseren schönen, großen Platz zwischen beiden Bootshäusern, der dann ausnahmsweise auch als Zeltplatz dient.
Zu erwähnen ist auch, dass unsere Sonnenwendfeier auf diesem Platz stattfindet- zum Abschluss der Wanderfahrersaison reiht sich dort Tisch an Tisch und fröhliche Kanuten feiern das traditionelle Pellkartoffel- und Heringsessen unter bunten Lampions.

Als Heinz Gottschalk im Jahre 1968 zum 1.Vorsitzenden von TURA gewählt wurde, übernahm Arnold Krohn wieder die Leitung der Wassersportabteilung.

1973 wurde Günter Felzmann,

1979 wurde Jochen Holubowski,

1981 wurde Rudi Hager,

1983 wurde Lutz Steenken zum Leiter der Wassersportabteilung gewählt.

In der Tradition der Gründer des Vereins, den Schwächeren und Ärmeren zu helfen, beteiligte sich die Kanusportabteilung an dem jährlichen Ferienprogramm des Landessportbundes Bremen und des Bremer Senats. Seit 1985 verbringen Kinder und Schüler, die nicht in den Urlaub fahren können, einen Teil ihrer Ferien in einem Zeltlager auf dem Gelände des Bootshauses. Dabei lernen sie, bei kleinen Touren auf der Lesum, Hamme und Wümme den Kanusport kennen.

1993 bekamen die Turaner ein neues und modernes Bootshaus.
Das alte Steinbootshaus wurde modernisiert, einen Übungsraum und Gymnastikraum wurde dort eingerichtet.

Ein ehrendes Andenken gilt Heinrich Brandt, der über 30 Jahre lang als Bootshauswart der Wassersportabteilung diente. Heinrich Brandt war auch einer der Namensgeber des Vereins "Turn- und Rasensportverein Gröpelingen" später "Bremen".

Arnold Krohn war Mitbegründer des Landes- Kanuverbandes Bremen und 1949 Mitglied der Wiedergründungsversammlung des Deutschen Kanu Verbandes in Kassel.

Vielen Dank an Rudolf Hager und Gert Borrmann, welche die Vereinsgeschichte 1998 recherchiert und zu Papier gebracht haben!