Große Leuchtturmrunde: Nordsee 2026
ein Bericht von Susanne Brandenburger
Wir fahren zum Leuchtturm Roter Sand. Anfang August machen wir uns zu viert (Steffen, Stefan, Markell und ich) auf den Weg nach Wremen. Freitagabend ist Anreise. Steffen hat ein Revierbriefing vorbereitet zum Gebiet der Außenweser und dem Wurster Watt in der Nordsee. Auf der Seekarte von heute gibt es viel zu entdecken, spannend sind auch die Vergleiche mit historischen Karten. Dann gilt es noch, die von Steffen mit der Wattpaddler-App erstellten und auf Folie gedruckten Kartenausschnitte mit der geplanten Fahrt zu beschriften. Ich notiere mir in der Karte die geplanten Pausenplätze und erwarteten Ankunftszeiten. Wir wollen weitgehend den betonnten Fahrwassern des Wurster Arms, der Tegeler Rinne und des Fedderwarder Arms folgen. Außerdem werden wir die Leuchttürme als Orientierung haben. Sie sind in ihrer Einzigartigkeit unser Ziel.
Für mich ist klar:„Ich komme nur mit bei moderaten Bedingungen“! Ich bin schon einige Touren auf der Nordsee gefahren und kenne die starken Strömungen der Flussmündungen. Aber die Lage der Leuchttürme so weit draußen flößt mir Respekt ein. Und das Entscheidende: Was macht der Wind? Wie herausfordernd sind die Wellen? Für den Hinweg sieht es sehr gut aus – leichter Rückenwind. für den Rückweg erwarten wir Gegenwind – je nach Wetterdienst mehr oder weniger stark. Obwohl alles gut vorbereitet ist, sitze ich am Samstagmorgen nicht ganz entspannt im Boot. Der Ebbstrom trägt uns nach draußen. Gleichzeitig ist es ein wunderschöner Morgen, warm, Glitzerwasser, eine fantastische Sicht und Abenteuerfeeling.
Wir lassen die flachen Wattflächen vor Wremen und das Containerterminal von Bremerhaven im Rücken und nehmen Kurs auf den Wurster Arm, ein Nebenfahrwasser der Weser. Solthörn Oberfeuer und Unterfeuer sowie den gelben Radarturm lassen wir links von uns liegen. Der Sand der Robbenplate trennt den Wurster Arm von der Weser. Ein Leitdamm und Buhnen halten den Sand und sorgen für tiefe Fahrwassser und starke Strömung. Am Leuchtturm Robbenplate machen wir den ersten Halt. Er ist 4-eckig gemauert und mit einer Metallummantelung versehen. Ihn kenne ich von früheren Fahrten.
Der Strom nimmt uns weiter mit. Wir umfahren das hier beginnende Schutzgebiet und nehmen das Fahrwasser des Wurster Arms. Früher war dies das Hauptfahrwasser der Weser. Daran erinnern die aufgegebenen Türme Meyers Legde und Untereversand. Die beiden Meyers Legde Türme sehen wir in der Ferne. Am Untereversand können wir direkt passieren. Ein Lost Place par excellence.
Beeindruckend, dass dieses Gerippe den Stürmen noch so lange standgehalten hat. Zerfleddert, Nistmaterial von Kormoranen und wirklich stark einsturzgefährdet steht er da. Sein Gegenüber Obereversand wurde vor einigen Jahren an die Küste versetzt und ist eine Touristenattraktion. Eine Seemeile nordwestlich war eine kurze Pause am Trittstein Südeversand geplant. Trittsteine sind erlaubte Ausstiegsstellen am Rande der Schutzgebiete im Nationalpark Wattenmeer. Doch dieser lässt sich noch nicht blicken. Die kleine Pause muss ausfallen. Das Wasser steht noch zu hoch. Wir befinden uns nun bereits in der Tegeler Rinne. Die Tonnen, denen wir folgen wollen, sind aufgrund der großen Entfernungen teilweise schwer auszumachen. Wir müssen den Kartenkurs im Auge behalten, um das nächste Ziel, die geplante Mittagspause auf der Tegeler Plate ohne Umwege zu erreichen. Wir erreichen die Sandbank genau zur geplanten Zeit. Für mich einer der schönsten und besonderen Orte dieser Tour. Wir sind schon 30 km von der Küste entfernt und plötzlich dieser flache Sandstreifen im Nirgendwo. Wir genießen den Rundblick auf die ganze Region. Die Kräne von Bremerhaven und Wilhelmshafen, der Windpark Nordergründe, der Leuchtturm Tegeler Plate vor uns. Nur mit dem Fernglas sind unsere Ziele die Leuchttürme Roter Sand und Alte Weser zu finden.
In der Pause ziehen wir uns Ponchos über. Schutz vor Auskühlung bietet eine Sandbank nicht. Als wir nach einer Stunde wieder in unseren Kajaks sitzen, lässt der Wind immer weiter nach. Das Wasser bekommt eine spiegelglatte Oberfläche. Als wir den Windpark Nordergründe passieren, setzt jedoch eine von Westen einlaufende Dünung ein, die unsere Kajaks in ein sanftes und stetiges auf und ab versetzt.
Es ist 14 Uhr, als wir den Leuchtturm Alte Weser erreichen. Er ist beeindruckend mit seiner Größe von fast 40 Metern und seiner Plattform. Dieser Turm wurde in den Jahren 1961-64 als Ersatz für den Leuchtturm Roter Sand gebaut und verrichtet bis heute seine Arbeit. Allerdings inzwischen ganz ohne Leuchtturmwärter.
Steffen hat genügend Zeit für ein Fotoshooting eingeplant. Aber dann zieht es uns weiter zum schönsten aller Türme. Wir ändern unseren Kurs nach Südwest und können den Roten Sand direkt ansteuern. Er war der erste Offshore-Turm in der Außenweser und vor der Navigation mit GPS und Radar in der mit unzähligen Untiefen versehenen Flussmündung ein wichtiger Beitrag für die Sicherheit der Schifffahrt. Er sieht mit seinen roten Ringeln und den Erkern fast ein bisschen kitschig aus. Heute steht er unter Denkmalschutz. Ihn hier draußen zu erhalten ist schwierig. Wahrscheinlich wird er irgendwann abgebaut und an Land wieder errichtet. Die Meinungen, ob das gut ist oder nicht, gehen auch in unserer Paddelgruppe auseinander. Wir erreichen unser Ziel zum Tidenkipp. Das heißt, ab jetzt setzt der Flutstrom wieder ein und wir werden uns auf den Rückweg machen.
Es ist ein großes Glück, so ruhige Bedingungen hier draußen zu haben. Aber es soll nicht ewig so bleiben. Nach nun 3 ½ Stunden im Boot steuern wir den Trittstein an der Mellumplate im Fedderwarder Arm an. Hintereinander legen wir durch eine leichte Brandungszone an. Mit dem Stärkerwerden des Stromzugs und leichtem Wind von vorn bilden sich jetzt kabbelige Wellen. Einmal Ausstrecken und weiter geht es. Wir passieren eine große Robbenkolonie. Die eine oder andere guckt uns im Wasser neugierig hinterher. Nun sind wir auf dem Weg, den auch die richtig großen Schiffe nehmen. Über Seefunk können wir teilweise die Radarberatung für die Containerriesen verfolgen.
Wir haben uns die Kräfte bis jetzt gut eingeteilt. Noch eine gute Stunde zügige Fahrt bis zum Zwischenstopp am Leuchtturm Hoheweg. Wir haben jetzt Zeit für Stärkung, Ruhepause und den Genuss einer einmaligen Aussicht. Der Rote Sand ist schon lange nicht mehr zu sehen. Selbst der Turm „Alte Weser“ ist nur noch winzig und nur am Licht zu erkennen. Deutlich sichtbar ist jedoch der Windpark Nordergründe.
Bei der Weiterfahrt frischt der Wind leider, wie vorhergesagt deutlich auf und kommt ab jetzt genau von vorn. Das T-Shirt Wetter ist vorbei und wir ziehen Paddeljacken über. Es wird anstrengend und durch Wellenbildung anspruchsvoll. Wir fahren südöstlichen Kurs und queren zunächst das Hauptfahrwasser der Weser. Gefühlt dauert das ewig. Da wir auf Leuchtturmrunde sind, steuern wir nun Robbennordsteert an.
Meine Laune kippt, mit der Aussicht mindestens weitere 2 Stunden mit Wind von vorn zu fahren. Die Wellen werden zwar weniger, aber trotzdem. Ich merke, dass ich langsamer werde und bekomme etwas Unterstützung. So können wir unser Tempo halten. Wir passieren erneut den Leuchtturm Robbenplate. Dahinter können wir in den Wurster Arm abbiegen. Es ist verlockend über das Watt abzukürzen, aber mit Watthöhen von 3,40 m einfach zu flach. Wir folgen dem Fahrwasser bis zur Tonne W48 und biegen dann ab. Die Einfahrt ins Wremer Tief markieren ein paar Pricken. Kurz vor Hochwasser sind wir wieder im Hafen. Märchenhaft glücklich und zufrieden, so sind wir wieder angekommen.
Es war eine außerordentlich lange Tour. In einem Gebiet mit starken Strömungen und dem Wind sehr ausgesetzt. Die Weite mit ihren einmaligen Seezeichen zu erleben ist etwas ganz Besonderes. Darum tausend Dank an Steffen, der diese Tour bis ins Detail vorbereitet und mit uns durchgeführt hat. Der jederzeit dank seiner Erfahrung, seiner Revierkenntnisse und Fürsorge für seine Gruppe wusste was für uns an Herausforderungen möglich ist und selber glücklich wirkt, wenn er seine Begeisterung teilen kann und „wenn ein Plan aufgeht“.











