Tura goes Wurster Watt: Neuwerk 2026

ein Bericht von Sonja Krössig

Steffen hatte gerufen: „Wer paddelt mit nach Neuwerk?“ Es waren so viele begeistert von der Idee, leider konnten nicht alle mit, da die Gruppengröße natürlich begrenzt war.

Gleich geht es los: Morgenstimmung auf dem Zeltplatz

Am Freitag ging es los. Wir trafen uns um 15 Uhr beim TURA, packten die Boote auf den großen Anhänger und verstauten Gepäck und Paddler auf 3 Autos. 16 Uhr Abfahrt: wir fahren nach Spieka Neufeld zum Campingplatz am Hafen. Dort haben wir unsere Zelte aufgestellt, gemütlich gekocht und Spaß gehabt. Das Motto: alles was wir jetzt essen, brauchen wir morgen früh nicht in die Boote verstauen.

Briefing

Bei einem schönen Sonnenuntergang gab es dann von Steffen das erste Briefing für die Fahrt nach Neuwerk: 6:30 Uhr Abfahrt – am Priggenweg entlang – Priel suchen – Fahrwasser queren – das Neuwerker Loch nicht verpassen und hoffen, das genug Wasser da ist. Der gesellige Abend war recht kurz, da der Wecker um 4:30 Uhr klingeln wird. Wir sind dann alle ins Bett und bei mir ging dann das Gedankenkarussel los: Hoffentlich haben wir gutes Wetter, WE14a, Schlick, Ostertill, Pipipause?, Schaafsand …..

Start am Morgen in Spieka

Aber ich habe trotzdem sehr gut geschlafen und mich auf das Kommenden gefreut.

Erstaunlich!!!  Alle saßen um 6:30 Uhr in ihren gepackten Kajaks,  die Tide wartet nicht! Es geht los.

Herrlich!!! Super Wetter und eine leichte Brise. Genau das richtige Wetter für mich um das Paddeln im Wattenmeer kennen zu lernen.

Wir haben 2 Gruppen gebildet, ich war in der zweiten Gruppe. Steffen hat uns unterwegs immer mal nach unseren Kurs gefragt und uns erklärt, warum wir jetzt nicht genau auf die Tonne zuhalten sollten, sondern das man den Kurs vorhalten muß und die Strömung nicht vergessen darf. Sonst verpasst man sein Ziel und muß dann, wenn es dumm läuft, gegen die Strömung wieder zurück. Aber wir haben alle Tonnen und Priele genau so erreicht wie geplant.

unterwegs im Wattenmeer

Das Wasser war traumhaft ruhig und wir hatten super Sicht. Neuwerk im Fokus und die Küste hinter uns haben wir Seehunde und Möwen als Begleitung gehabt.

Pipipause!   Ja, wir konnten sogar eine Pipipause auf dem Schaafsand machen. Also habe ich mir da mal wieder ganz umsonst Sorgen gemacht.

Im Neuwerker Loch mussten wir aufpassen, das wir nicht zu weit links in die Sackgasse fahren. Das ist uns leider nicht gelungen. Aber da wir in der zweiten Gruppe waren, konnten wir sehen, das die Gruppe vor uns durch den Schlick die Boote tragen mussten. Danke an alle, die vor uns waren. Wir waren noch nicht so weit in der Sackgasse, und sind dann wieder zurück ins Neuwerker Loch. Die anderen mussten sehr mühsam die Boote über den Wattrücken tragen. Das hat ungefähr genau so lange gedauert wie das umpaddeln. War aber mit Sicherheit viel anstrengender.

Die letzten Meter vor Neuwerk müssen wir treideln

Als dann alle wieder im Boot saßen, ging es dann noch ein kleines Stück weiter und dann ging es los: Boote treideln, ziehen, tragen….. Eine Wattwanderung mal anders.

Müde und glücklich auf Neuwerk angekommen gab es erst einmal ein Bad im Knietiefen Pril. Herrlich!

Dann die Boote auf die Bootswagen heben, und die letzten ca. 300 Meterzur Zeltwiese bei Fock rollern. Dort hatten wir freie Platzwahl, die Wiese war noch unbewohnt.

Nachdem die Zelte aufgebaut und die Betten gerichtet waren wollten wir eine schöne warme Dusche nehmen.

Aber mittlerweile war Ebbe. Und was passiert bei Ebbe auf Neuwerk? Die Touris und Wattwanderer fielen wie die Heuschrecken  auf die Insel ein. Alles war voller Menschen. Auch unser Waschhaus. Die Neuwerker müssen in dieser einen Stunde im Akkord arbeiten, damit alle mit vollen Bäuchen, ausgeruht und glücklich sich auf den Rückweg machen können. Dann war der ganze Circus vorbei und die Insel war wieder leer. Endlich duschen! Vorfreude und Enttäuschung, es gab nur eiskalte Duschen. Aber wir haben uns trotzdem darunter getraut.

Focks Zeltwiese auf Neuwerk

Nun hatten wir ja noch den ganzen Nachmittag Zeit die Insel zu erkunden. Einige haben sich auf den Weg ein mal um die Insel gemacht, andere haben den kürzeren Weg gewählt. Es war so heiß, das wir uns anschließend fast alle im Schatten der großen Bäume am Neuwerker Leuchtturm wieder getroffen haben. Den Leuchtturm konnten wir leider nicht besichtigen, der wird zur Zeit renoviert.

Abends war wieder gemütliches beisammensein und kochen vor den Zelten. Die Routen für morgen wurden besprochen. Es soll zwei Routen geben.Steffen fährt mit der größeren Gruppe Richtung Elbe hoch, dann im Bogen nach links, über Neuwerker Watt, Trittstein, Nordertill nach Spieka Neufeld zurück. Und Stefan hat angeboten, mit der kleineren Gruppe den direkten Weg wieder zurück nach Spieka zu fahren.

Für die lange Tour musste die Gruppe wieder sehr früh im Kajak sitzen. Die Tide wartet nicht! Also wurden alle liebevoll mit einem Klopfen am Zelt und ein „Guten Morgen“ von Steffen geweckt.

wo Christa und Judith sind, geht es lustig zu 🙂

Da ich den direkten Weg zurück paddeln wollte, konnte ich noch ein bisschen im Bett liegen bleiben. Wir (Stefan, Claudia, Niklas und ich) mussten ja erst um 14 Uhr startklar sein.

Als die anderen dann in ihren Booten saßen, haben wir erst einmal gemütlich gefrühstückt. Dabei hat Stefan uns ein bisschen Navigation erklärt. Sehr spannend, damit habe ich noch keine Erfahrung.

Nun hatten wir ja noch sehr viel Zeit. Also sind wir noch ein bisschen zu Fuß auf der Insel unterwegs gewesen. Nur einen kleinen Spaziergang durch das Naturschutzgebiet machen, und zack… sind wir auch schon ein mal um die Insel gegangen. Es war sehr schön, die Natur so einsam zu erleben. Die Touris kommen ja erst bei Ebbe. Dann sind wir ja schon wieder in Spieka.

Mittags waren wir dann mit unseren gepackten Kajaks am „Wasser“. Oder soll ich Schlick sagen? Das Wasser war noch nicht da. Es stellte sich die Frage: Warten wir jetzt, bis der Pril voll genug ist, das wir paddeln können? Oder treideln wir bis zu der Stelle, an der wir ins Boot steigen können? Wir haben uns entschieden, dem Wasser entgegen zu gehen. Also mal wieder mit dem Boot eine Wattwanderung. Teilweise konnten wir die Boote treideln aber an einigen Stellen mussten wir tragen. 4 Mann, 4 Ecken und das Schleppen geht los. Das war sehr anstrengend aber wir haben es geschafft. Sobald wir genug Wasser hatten, ging es paddelnd weiter.

Auf dem Weg nach Spieka haben wir ausprobiert was Stefan uns über Navigation erklärt hat. Es war ja auch keine Welle und kein Wind, da konnten wir uns voll und ganz auf „Deckpeilung“ und „Vorhalten“ konzentrieren.

Wir haben aber auch gemerkt, dass man die Strömung nicht unterschätzen darf. Bei der Fahrwasserquerung haben wir es nicht geschafft die erste Tonne, die WE16a, zu erwischen. War jetzt nicht so schlimm, da die Tonne 16 uns ja schon entgegen kam. Jedenfalls fühlte es sich so an.  Die Strömung ist ganz schön stark. An den Tonnen vorbei, den Priggenweg entlang sind wir dann in Spieka Neufeld angekommen. Die erste Gruppe erwartete uns schon.

Ich war sehr glücklich, eine tolle Fahrt und ich habe ganz viel dazu gelernt. Nach dem die Boote verladen wurden sind wir mit der ganzen Gruppe noch zum Essen eingekehrt.

Gegen 22 Uhr haben wir alle Boote salzverkrustet ins Boothaus gelegt. Geputzt wird morgen!

 

Jens berichtet von der langen Route:
Die Gruppe für die längere Tour stand pünktlich am Anleger, zügig ging es auf das Wasser. 3 Seemeilen bis zur Elbetonne EN1,ab dem Ende der Priggen gab es Wellen von vorne, alle in der Gruppe haben es gut gemacht.

Trittstein Scharhörnplate

Dann ging es zum Ende des Scharhörner Sandes ans Robbenloch auf den „Trittstein“, dort dürfen wir Paddler am Rand des Schutzgebietes Pause machen und auf den Tidenkipp warten. Nach der Rundung der Scharhörnplate und der Querung des Nordertills gab es noch ein kurze P-Pause am Rande der Hohenhörnsände, die übrigens wirklich Hörner haben. Wer es nicht glaubt, schaue auf die Karte. Dann ging es weiter über die Tonnen 16a und 14 zum beprickten Wattfahrwasser. Wir kamen recht früh in Spieka Neufeld an, 2,5h vor HW. Die Rampe war noch voll Schlick, aber als wir 10 alle aus den Booten waren, war das Wasser hoch genug. Eine Stunde später kam auch die zweite Gruppe.

 

 

 

 

Lieber Steffen, lieber Stefan,

Ich möchte mich bei Euch für das tolle Neuwerk-Erlebnis bedanken. Und für die sanfte und geduldige Einführung in das Seekajakfahren im Wattenmeer. Ich  komme sehr gerne wieder mit.
Auch möchte ich Danke an alle sagen, es war eine so harmonische Truppe.

Vielen Dank, immer wieder gerne mit Euch!

Liebe Grüße
Sonja