Eine 5-Tage-Gepäcktour von Malchin bis Anklam

ein Bericht von Susanne Brandenburger

Angemeldet für eine Übernachtung hatten wir uns am Kanuclub Malchin. Neben einer Zeltwiese stehen dort auch Zimmer für eine Übernachtung zur Verfügung. Mittags angekommen ging es bald darauf los mit dem Aufbau des Faltboot-Zweiers Pouch RZ85. Das Stabgestell besteht aus Holz, die Haut im Unterschiff aus dickem PVC, das Oberschiff aus Baumwolle. Dazu gibt es eine Segelausrüstung, ebenfalls aus Holz und Baumwolle. Der RZ85 wurde seit den 50er Jahren in der DDR gebaut. Das Modell war und ist beliebt für Wanderfahrten nicht nur in der ehemaligen DDR. Produziert wird er heute von Poucher in Bitterfeld. Dort kann man auch Flickzeug und Ersatzteile erhalten.

Tatsächlich stammt unser Boot aus der frühen Bauzeit. Feste Holzsitze mit Herzchen-Rückenlehne und eine besonders stabile aber schwere Haut aus PVC, ebenso wie echtes Holz und keine Sperrholzteile kennzeichnen das Alter. Leider hatte ich es letzten Winter falsch gelagert. Der Baumwollstoff hat durch Feuchtigkeit gelitten und die dünnen Stellen waren nun morsch. Bereits vorher hatte ich mit der Hand und Ledernadel einige Flicken aufgebracht. Beim Aufbau riss der Stoff erneut an zwei Stellen ein. Es mussten erneut Näharbeiten durchgeführt werden. Ich war etwas besorgt, ob uns das Boot in der Woche ein zuverlässiger Begleiter sein sollte.

Die Peene verläuft zwischen Malchin und Anklam im Wesentlichen von West nach Ost. Die Strömung ist gering und hängt von der jeweiligen Windrichtung ab. D.h. bei  starkem Ostwind strömt es flussaufwärts.

In Malchin starten wir bei Windstille. Über uns kreist ein Milan. Nach 4 Kilometern auf dem Peenekanal erreichen wir den Kumerower See. Es ist Badewetter, so entscheiden wir uns den See an der Ostseite zu befahren. Dort soll es einige geeignete Anlegestellen für eine Pause geben, während das Westufer mit Schilf bewachsen ist. Der See ist 10 km lang, bei Wind sollte eine Befahrung mit offenen Booten gar nicht und sonst die Windrichtung beachtet werden. Die Segelausrüstung haben wir zusammengelegt und auf dem Oberschiff befestigt. Eine Pause machen wir in Sommersdorf. Unser erstes Etappenziel soll nach 15 km Verchen sein. Ein Wasserwanderrastplatz befindet sich gleich hinter der Einfahrt in die Peene. Beim Fährmann kann man sich anmelden. Dazu gibt es eine Fischbude und leider jede Menge Lärm von Motorbooten, Motorrädern und Schlagermusik. Nach einer Kaffeepause entscheiden wir, dass wir uns die Peene anders vorgestellt haben und fahren weiter.

Coronasommerbedingt ist es hier in diesem Jahr voller als sonst. Kanus, Motorboote und Hausboote begegnen uns. Der nächste Wasserwanderrastplatz ist in Trippelwitz. Dort finden wir eine schmale Zeltwiese, eine Badestelle und ein Trocken-WC. Ein schöner Platz, wir bauen unser Zelt auf. Auf dem Weg zum Dorf finden wir den Trinkwasserautomat und geben gerne den Pfadfinderinnen etwas ab, die ohne Geld und Zelt unterwegs sind. Sie schlafen in Reih und Glied unter einer Plane. Abends kommt ein älteres Paar zum Kassieren vorbei. Unschlagbare 1 Euro pro Person und 2 Euro für das Boot.

Das nächste Etappenziel soll Pensin sein. An einem heißen Tag ohne Wind paddeln wir vorbei an schilfbewachsenem Ufer. Nur wenige Badestellen laden zu einer Pause ein. Der WWR in Pensin bietet viel Platz und eine Badestelle. WC und Dusche sind vorhanden. Eine ehemalige Viehfähre bietet Platz zum Unterstellen. Den benötigen wir am nächsten Morgen, denn es regnet in Strömen. Regen ist für den ganzen Vormittag angesagt, Gewitter sollen bis 10 Uhr möglich sein. Doch jede Wetterapp macht ihr eigenes Wetter. Es wird heller und wir gehen um 11 Uhr aufs Wasser, das Gewitter kommt eine halbe Stunde später, natürlich an einer Stelle wo wir nicht aus dem Wasser kommen. Wir entscheiden uns ein Stück zurück zu fahren, dort hatten wir einen schmalen Durchlass im Schilf entdeckt. Wir hoffen, dass die Familien mit Kindern, die in offenen Kanadiern vor uns losgefahren sind, auch rechtzeitig eine Ausstiegsstelle gefunden haben. Wir treffen alle wohlbehalten aber nass und durchgefroren in Loitz wieder. Dort gibt es einen Edeka wo wir unsere Vorräte auffüllen können. Außerdem im Hafen einen kleinen Imbiss (Bedienung mit Ostcharme inbegriffen). Die kleine Stadt schien uns sehenswert, aber das Wetter…

Nach der Einkaufspause klart es endlich auf, mit Sonne und etwas Rückenwind erreichen wir Alt-Plestlin. Dort werden wir vom Hafenmeister freundlich empfangen. Ein Großteil der Zeltwiese ist leider heute überschwemmt. Wir finden noch einen schönen Platz in der ersten Reihe am Wasser, bis sich ein Hausboot davorlegt. Dann haben wir eine schöne Wand. Es wird heute eng, denn alle Paddler müssen zusammenrücken. Trotzdem es ist sehr schön, alle nehmen Rücksicht aufeinander, die Stimmung in der Abendsonne wunderbar. Ein Spaziergang macht noch einmal deutlich, wie verschlafen oder verlassen diese Ecke Deutschlands ist. Nur an wenigen Punkten quert eine Straßenbrücke den Fluss.

Die Peene selbst wird Amazonas des Nordens genannt. Von Straßen oder Wegen entlang des Flusses keine Spur. Hinter dem Fluss liegen viele Moore auch wiedervernässte ehemalige Torfstiche. Die ganze Landschaft gehört  seit 201 zum geschützen Naturpark Peenetal. Fischotter und Biber sind wie viele seltene Moorpflanzen dort heimisch.

Unsere nächste Etappe führt uns nach Gützkow. Ein Abzweig über die Swinow führt uns zum dortigen Kanuclub. Der Klub mit seinen nur etwa 30 Mitgliedern empfängt gerne Gäste, kommt damit aber auch an die Kapazitätsgrenzen der Ehrenamtlichen. Die DKV-Kanustation ist weit und breit die einzige Anlegemöglichkeit, entsprechend beliebt ist der Platz. Es war aber auch wirklich sehr schön. Auch der Ort und die abwechslungsreiche Naturlandschaft dahinter sind einen Besuch wert. Wir besuchen außerdem eine Bäckerei. Zur Begrüßung wurden wir nicht etwa gefragt, „Was darf es sein?“, sondern „ Haben Sie schon einen Biber gesehen?“. Leider mussten wir das verneinen, der Kuchen war jedoch sehr gut.

Inzwischen ist es so, dass wir auf den wenigen Zelt- und Badeplätzen immer die gleichen Paddler wiedertreffen. Wir werden langsam eine Gemeinschaft.

Am nächsten Tag meint das Wetter es gut mit uns. Sonne, Wolken und Rückenwind. Endlich wird das Segel nicht nur am Liegeplatz zum Trocknen aufgestellt. Wir können segeln, dem leisen Plätschern des Wassers lauschen und die Landschaft genießen. Unser Ziel ist Stolpe. Dort bringt eine Fuß- und Radfahrerfähre die Menschen über den Fluss. Das Fährhaus bietet gehobene Gastronomie. Auf der der Außenterrasse trinken wir Kaffee. Der Dorfkern mit alter Klosteranlage, Dorfgemeinschaftshaus und Gut wurde in den letzten Jahren mit Fördermitteln saniert. In Stolpe befindet sich seit diesem Jahr auch das Besucherzentrum des Naturparks Peenetal. Es ist wirklich hübsch hier. Wir hoffen, dass das Dorf eine Zukunft hat. Nachts wurde ein Biber auf unserer Zeltwiese gesichtet, leider haben wir das verschlafen.

Unsere letzte Etappe führt uns gemütlich segelnd nach Anklam. Dort steigen wir am Wasserwanderrastplatz vor dem Stadtzentrum aus. Wir wissen nicht, ob es daran liegt dass wir uns Usedom nähern, aber für das Aussteigen zahlen wir 5 Euro. Darin ist maximal ein Toilettengang enthalten. Und das wird kontrolliert. Für Paddler empfehlenswerter ist wohl die Kanustation in der Stadt. Dort soll es auch Kaffee und Kuchen geben. Wir sind aber hier verabredet, mit dem Kanadier „Biber“ aus Hannover und dem Malchiner Kanuclub. Die Malchiner bieten einen Abholservice ab Anklam an. So laden wir die Boote auf den Anhänger und das Gepäck in den Bus und kommen schon an diesem Tag an unseren Ausgangspunkt in Malchin zurück. Alternativ kann man auch mit dem Zug zurückfahren und das eigene Auto holen.

Östlich von Anklam beginnt der Peenestrom. Er führt über das Achterwasser bis nach Peenemünde. Hier ist mit stärkerem Wind und Welle zu rechnen. Boote und Paddler sollten entsprechend der Anforderungen eines Großgewässers ausgerüstet sein.

Fazit: Das Faltboot hat gehalten und die Fahrrichtung war wegen des Windes richtig gewählt. Wenn das Wetter mitspielt ein einfaches auch für Familien mit Kanadiern geeignetes Paddelrevier. Es bietet Zeit und Muße für Naturerlebnisse. Wir konnten Adler, Fischotter und Eisvogel sehen. Badestellen sind für meinen Geschmack selten, man sollte die Gelegenheit nutzen, wenn sich eine bietet. Die Tagesetappen lagen zwischen 10 und 25 km. Die gesamte Streckenlänge beträgt 88 km. Die Wasserwanderrastplätze sind sauber, dabei einfach bis komfortabel. Eine Anmeldung ist bei den Kanuvereinen sinnvoll. Man sollte genug Verpflegung dabeihaben denn nicht immer gibt es eine Einkaufsmöglichkeit.

Literatur: Peene. Malchin-Peenemünde. Kanu Kompakt. Thomas Kettler Verlag, 2014

Kartenmaterial: Tourenatlas TA6 – Mecklenburg-Vorpommern Wassersportkarten incl. Ostseeküstenradweg und Navigationssoftware. Jübermann Kartographie, 2017.

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