55 Tura-Paddler gönnten sich zum Ende der Jahres-Saison mal wieder eine Woche Urlaub auf den Gewässern der Mecklenburgischen Seenplatte. Sie hatten sich am Woblitzsee einquartiert und freuten sich auf entspannte Paddeltouren.

An sich sind  Wind und Wellen für die geübten Tura-Paddler,- die zusammen rd. 25 000 km im Jahr paddeln, nichts Ungewöhnliches. In dieser Härte hatten sie die Wassergewalt aber selten erlebt und schon gar nicht in Mecklenburg-Vorpommern. An dem Tag waren sie zu einer Paddeltour über zwei ihnen bekannte Seen gestartet.

Während der Rückfahrt am frühen Nachmittag kamen plötzlich starke Sturmböen auf, die auf dem offenen See kurze hohe Wellen erzeugten. Die Boote tanzten zunehmend oben  auf den Wellen. Bei einigen Booten fiel die Hecksteuerung aus, weil sie das Wasser am Heck nicht mehr erreichte.

In dieser Notsituation war plötzlich jeder mit seiner Paddelkunst allein auf sich gestellt. Es galt Abstand halten und mit Geschwindigkeit über die Wellen. Bloß nicht in den Wellen umhertrudeln und womöglich mit jemandem  zusammenstoßen. So wurde von allen die rettende Schleuse zwischen den beiden Seen erreicht.

Die kurze Pause in der Schleuse tat gut. Es kam Hoffnung auf, dass es  auf dem nächsten See Richtung Heimathafen harmloser wird. Doch die Windverhältnisse wurden schlimmer; die Wellen bildeten erste Schaumkronen. Die Paddler mussten ihr letztes geben. Jeder behielt seine  Mitpaddler trotz allem im Auge. Aber wie bei diesem Wellengang noch jemandem vom Boot aus helfen, wenn`s passieren sollte?

Die absolute Leistungsgrenze des quirligen Paddler-Schwarms  war erreicht, als die Paddler nach allen Anstrengungen am Strand des  geschützten Heimathafens anlanden konnten. Völlig erschöpft, aber erleichtert schleppten die Paddler sich und ihre Boote an Land.

Die am folgenden Tag geplante traditionelle Lampion-Fahrt wurde abgesagt. Selbst die Wildwasser-Paddler wollten nach einem Blick aufs Wasser nicht noch mal  raus.

Die bunten Lampions wurden dann am Ende der Woche beim fröhlichen Abschiedsgrillen aufgehängt. Im Nachhinein hatte die Bewältigung dieser beängstigen Situation dann für die Paddler auch etwas Heldenhaftes.

von  Martin Voß