Ein Fahrtenbericht von Eugen Klaussner,
Fotos von Elke Leppin, Detlef Münzer und Eugen

Ruhiges Paddeln und Driften mit Gewitterfinale

 

Tag 1: Wo Werra und Fulda sich küssen

Beim Startpunkt in Hannoversch Münden fand sich eine bunte Truppe von vierzehn Paddler ein: zwei Ü80er, vier Jugendliche und der Rest „Silberfüchse“. Das Gelände vom Mündener Kanuclub ist wunderschön gelegen und wir nutzten die Lage an der Werra für einen gemütlichen Grillabend mit Spaziergang. Olaf erfreute uns nicht nur als Grillmeister sondern auch mit seinen selbstgebauten, zusammenrollbaren Tischchen und andere ausgeklügelten Camping-Lösungen sowie mit seiner ruhigen, überaus organisierten Art.

Tag 2: Bootstransfer per Trecker

Am nächsten Morgen wurde eifrig gepackt,  von Andreas und seiner Damenriege besonders gründlich und mit kreativ befestigter Deckslast  ;-). Dann konnten wir die Schleuse passieren um endlich „richtig“ unterwegs zu sein.

Nachmittags bot Bursfelde eine gute Gelegenheit für eine ausgedehnte Futterpause bei der Klostermühle-Gaststätte.

Der Campingplatz Gieselwerder, obwohl schön gelegen, erwies sich als nicht ganz ideal für uns Paddler: Der Steg liegt zwar am grünen Hang, wo wir gut hätten zelten können. Diese Fläche ist aber öffentlicher Grund und gehört nicht zum angrenzenden Campingplatz. Schlimmer noch, der Zeltplatz liegt ziemlich weit weg auf der anderen Seite. Glücklicherweise konnte der italienische Hausmeister die Kajaks mit einem kleinen Trecker und Anhänger sukzessive in 3er Gruppen hinüber transportieren, aber das dauerte natürlich.
Abends haben wir nett beim Griechen am Dorfplatz gegessen, was gleichzeitig als 18-jährige Geburtstags-„feier“ für Katja herhalten musste.

Tag 3: Zur Abwechslung mal Kultur

Am dritten Abend begrüßte uns beim WSV Höxter schon eine fröhliche Gruppe junge Männer mit lauter Musik und beeindruckenden Beständen an Hopfenwasser. Wir mussten die Boote mühselig den Hang hinauftragen. Aber so langsam waren wir eingespielt und es ging relativ flott, trotz Baustellen-Hindernis am Steg.

Abendliches Treiben: Die jungen Damen nutzten die Möglichkeit, sich beim Wohnwagenpark stromaufwärts in die Weser zu begeben und sin hinunter bis zum Ruderverein tragen zu lassen. Abends wurde im nahe gelegenen Restaurant diniert. Der Gesangs- und Getränkeverein am Flussufer hat uns freundlich eingeladen, die Musikauswahl mitzugestalten, was wir zwar dankend ablehnten, was sie aber nicht davon abhielt munter bis 4 Uhr morgens zu musizieren.

Tag 4: Das große Ganze

Am nächsten Tag sinnierte Marcus über unseren Groll auf die grölenden Jungs und erklärte uns „das große Ganze“: Nur weil die jungen Leuten unwissend und selbstlos die Last des Saufens auf sich nahmen, war es uns älteren überhaupt möglich, früh ins Bett und (relativ) nicht-alkoholisiert zu schlafen, ohne uns Sorgen um die schlimmen Konsequenzen unseres selbstsüchtigen Handelns für weite Teilen der Wirtschaft zu machen: Brauereien, Suchtberater, Sozialarbeiter, Kopfschmerztablettenhersteller und viele mehr wären sonst kunden- und arbeitslos!

Kultureinlage: Der Ruhetag in Höxter wurde auch zum prophylaktischen Corona-Test auf dem Weg zur Besichtigung von Corvey genutzt. Die Schloss- und Klosteranlage ist beeindruckend in ihrer Größe und Architektur. Durch die Exponate bekam man einen Einblick in das Leben damals, als das Kloster eine große Strahlkraft in weite Teile Deutschlands hatte.

Tag 5: Ein Abschied mit Gewitter

Josephine musste uns in Höxter aufgrund eines Trauerfalls verlassen und den Zug nach Hause nehmen.

Hektik am Steg: Unser Pausenort war Polle aber es gab dort eine schwierige Anlandung. Der Steg war nicht – wie sonst üblich – durch Buhnen davor und dahinter geschützt – sondern lag direkt in der Außenkurve eines schnellen und starken Stromes. Die Boote ins Trockene zu bekommen war nicht leicht, zumal zwei „Kanadierinnen“ zeitgleich anlanden wollten und ebenfalls mit der starken Strömung zu kämpfen hatten. Zeitweilig tauchte der Vorderteil des Stegs durch das Gewicht bedrohlich ab.

Gewitter-Anlandung bei Grave: Obwohl es zunächst so aussah, als ob der tagelang angedrohte Gewittersturm an uns vorbeiziehen würden, wurden die Wolken schnell dunkler und uns mulmiger. In einem kleinen Örtchen bot sich dann die (matschige) Möglichkeit eine Not-Anlandung. Glücklicherweise gab uns der Pavillon eines geschlossenen Restaurants die Möglichkeit, Gewitter und Regen auszusitzen.

Unsere nächste Übernachtung war am Campingplatz Rühler Schweiz, wo wir wieder Grillen durften, diesmal sogar regengeschützt, wieder  in einem großen Pavillonzelt. Unser schwieriger Zwischenstopp in Polle hat uns den Einkauf dazu im Supermarkt ermöglicht.

Tag 6: Wasser von oben und unten 

Am letzten Tag schien die Zeit stillzustehen: Die Hügel waren verschwunden und wir haben uns oft einfach im Fluss treiben lassen. Nach einer Pause am Grohnder Fährhaus, wurde das Wasser ab dem Kernkraftwerk wärmer und floss auch immer langsamer über das nahende Wehr in Hameln.
Gerade am KC Hameln angekommen, öffneten sich die Wolken und eine Sintflut ergoss sich über uns. Mit der Flucht ins Vereinsheim war es nicht getan; die Zelte mussten im Regen aufgestellt werden. Einige entschieden sich, angesichts der Möglichkeit von noch mehr Regen in der „Schwarzwaldhütte“ (ein Unterstand mit Theke) zu übernachten.

Tag 7: Abfahrt und Ausblick

Der letzte Tag war geprägt von Autofahren, besonders für die fünf Fahrer, die zeitig aufbrechen mussten, um die Autos samt Bootsanhänger in Münden abzuholen. AUf dem Weg musste auch Josephines Kajak in Höxter aufgeladen werden.

Unsere Oberweserfahrt war gekennzeichnet durch eine gute Gemeinschaft, trotz, oder gerade wegen der großen Altersspanne, beste Laune sowie interessante Gespräche zu Land und auf dem Wasser.

Ein besonderer Dank geht an Detlef für die gute Organisation. Eine überaus gelungene Fahrt, die sich hoffentlich im nächsten Jahr in ähnlicher Form wiederholen lässt. Vielleicht mal auf einem anderen Fluss? Oberelbe, wir hören Dich rufen …