Weit gereiste Fahrtenpaddler geben ihre Erfahrungen an junge Menschen weiter.

Das sollte das Konzept für ein ungewöhnliches neues Veranstaltungsformat mit dem sperrigen Titel “Faltbootsymposium” sein. Steffen hatte diesen Titel gewählt, weil er hoffte, dass die geheimnisvolle zweite Hälfte des Namens den etwas muffigen Klang der ersten kompensieren würde.

Zunächst schien es so, als ob die Idee nicht verfangen würde denn auch nach intensivem Schlagen zahlreicher Werbetrommeln (Zeitungsartikel, LKV-App, Gesichtsbuch, direkte Ansprache) hatten wir bis kurz vor Beginn der Veranstaltung noch keine einzige Anmeldung. Auf den Zeitungsartikel hin bekam der Verein aber immerhin ein Kolibri Faltboot geschenkt. Die “alten Faltbootfahrerer” freuten sich trotzdem auf das Treffen und das Begutachten und Fahren von Klassikern und weniger bekannten Booten.

Arne Martin, Faltbootsammler und Diakon in der Gemeinde St. Magnus, konnte dann aber doch noch fünf Jugendliche aus den Reihen seiner Konfirmanden- und Pfadfindergruppe begeistern. Dominique ist bereits Mitglied und entschied sich kurzfristig. Der “Plan B” der Älteren, eine Übernachtungsfahrt zum Harrier Sand, wurde somit wieder aufgegeben. Die Anreise der Alten geschah bereits am Freitagabend, weitgehend auf eigenem Kiel. Susanne paddelte souverän ihren Pouch RZ85 (Zweier), Karsten kam im schnittigen Narak 550 und Stephan von den Faltbootwanderern reiste mit seinem Argo sogar stilecht per Bahn und Tram aus Verden an. Auf den Flusskilometern von Borgfeld zu TURA begleitete ihn dann Jan in seinem Vuoksa “Sportsofa mit Hilfssegel”. Am Lagerfeuer erwarteten sie die TURAner Peter und Steffen sowie der mit einem ganzen Bus voller Faltboote angereiste Arne. So manches Fahrtenerlebnis wurde dann am Feuer nochmal ausgebreitet. Vor allem Jan konnte dabei nach über 50.000 Faltbootkilometen aus dem Vollen schöpfen. Coronabedingt musste dies leider ohne die Jugendlichen geschehen.

Die kamen dann am nächsten Tag um 10:00. Per, Sören, Linus, Dominique, Florian und Joris waren mit unterschiedlichen Kanu-Erfahrungen im Alter von 13 und 20 erschienen, um etwas über das Wasserwandern mit Faltbooten zu erfahren. Nach kurzer Begrüßung  ging es sofort in kleinen Gruppen um den Aufbau jeweils eines Bootes. So entstanden ein russischer Taimen Dreier, ein Ladoga Zweier und ein Klepper Aerius Zweier unter der Hand der Jugendlichen. Vor der Mittagspause mussten die Boote natürlich noch kurz getestet werden.

Dabei stellte sich heraus, dass ein Dreier gefühlt 30% höhere Anforderungen an die Paddel-Koordination erforderte.

Folkers Aerius Einer, dessen Haut von den Zähnen der Zeit zernagt wurde, umwickelten wir mit Industriefolie um die Fahreigenschaften zumindest kurz zu testen. Die Betonung liegt dabei auf kurz, denn der Pegel im Boot stieg doch recht schnell. Das Verfahren an sich hat sich aber durchaus bewährt.

Nachmittags startete die Gruppe dann mit neun Booten in anderer Bootsbesetzung auf eine etwas längere Strecke in Richtung Hamme. Drei der Jüngeren wollten nun unbedingt Einer fahren und konnten aus dem großen Fundus auch damit bedient werden. Stephan wechselte in den Narak, Karsten fuhr mit seiner Freundin im 80 Jahre alten Tura Eigenbau “Hui”, Susanne und Florian nutzen die gemeinsame Fahrt im Pouch zu einem ausgiebigen Interview und Jan und Arne bemühten sich dem Taimen eine bequeme Seite abzugewinnen. Leider vergeblich. Die Pfadfinder Per und Sören hielten ihrem schnittigen Ladoga die Treue und Steffen versuchte in Jans Vouksa das Segel mit der hohen Paddeltechnik in Einklang zu bringen.

Nach 6 Kilometern war auf der Hamme kaum noch Tidenzug zu spüren und wir drehten bei. Karsten und Steffen tauschten noch kurz die Boote auf dem Wasser, was auch die Solo-Konfirmanden zu kreativen Experimenten ermunterte. So war dort nun Floßbildung und gegenseitiges Abschleppen angesagt.

Zurück auf dem Tura Gelände schoben wir zu Kaffee und Limonade zwei fix besorgte Apfelkuchen ins Rohr. Bei den Konfirmanden war die anfängliche Schüchternheit des Morgens einer ausgelassenen Betriebsamkeit gewichen, die sich am Ende in einem Harpunennachbau-Schleuderwettbewerb mit dem Wurfbrett Bahn brach.

Die älteren ließen den Tag noch gemeinsam im Renoir ausklingen bevor am nächsten Morgen die Rückfahrt im Regen anstand. Stephan rollerte, mit zerlegtem Boot und Gepäck auf dem Bootswagen, zum Bahnhof.

Ein großer Dank geht an alle Teilnehmer! Wir planen auf jeden Fall für das nächste Jahr eine Neuauflage, dann hoffentlich mindestens zweitägig und mit Lagerfeuer, Übernachtung und Fotoshow für alle. 

 

Hier noch eine Reihe von Fotos des Tages:

 

 

 

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